American Way of Life im Austauschjahr

Schulleben

Meine Reise in die USA startete am 10. August und ich war nach etwa 21 Stunden am Ziel. Mein Flug ging von Frankfurt nach San Francisco und von dort weiter nach Eureka. Seitdem bin ich irgendwo im Nirgendwo Amerikas zu Hause und habe schon einige sehr amerikanische Erfahrungen gemacht. Von Milchshakes nach einem Football Game bis hin zu Frozen Yogurt und Bubble-Tea war alles dabei.

Ich wohne in Nordkalifornien in einer Kleinstadt namens Arcata. Die nächstgrößere Stadt heißt Eureka und liegt direkt an der Humboldt Bucht.

In meinen ersten Tagen habe ich erst einmal die Stadt erkundet und mich an die Zeitumstellung gewöhnt. Am letzten Wochenende der Sommerferien war ich mit meiner zweiten Gastfamilie auf der Humboldt County Fair, das ist eine Art Kirmes mit Kleintieren und Wettbewerben.

Und dann hat Ende August auch schon der High-School-Alltag angefangen. Die Schule startet hier um halb neun und meine Schule, die Arcata High School für Schüler:innen von der neunten bis zur zwölften Klasse, hat einen, ich sag mal so, interessanten Stundenplan. Montags habe ich alle Fächer (normalerweise nur sechs pro Schüler:in) für jeweils 50 Minuten. Die restliche Woche habe ich nur drei Fächer pro Tag jeweils für zwei Stunden.

Der Schulsport wird hier sehr ernst genommen. Ich bin im Cross-Country-Team für die Herbst Season und habe jeden Tag nach der Schule Training, und mittwochs sind die Rennen. Ein Rennen umfasst drei Meilen, also ungefähr fünf Kilometer. Das Rennen ist anstrengend, aber es macht super Spaß, die anderen anzufeuern.

Der School Spirit existiert und ist fast wie im Film. Zu Beginn der Herbst Season wurde die ganze Schule in die Turnhalle gequetscht, es wurden Spiele gespielt, die Cheerleader haben getanzt, die Austauschschüler wurden vorgestellt und sind mit der jeweiligen Landesflagge durch die Halle gezogen.

Vor der Schule, in der Mittagspause und nach der Schule ist der Verkehr unfassbar chaotisch. Teenager fahren riesige Trucks und alle haben das Gefühl, hupen zu müssen. Ich bin echt erstaunt, dass noch niemand überfahren wurde.

Generell ist hier alles XXL im Vergleich, die Straßen gefühlt doppelt so breit, der Schulcampus ist größer und hat viel mehr Sportmöglichkeiten, die Eiskugeln sind so groß wie drei deutsche Kugeln und an jeder Straßenecke parkt ein Truck. Über die Geschäfte will ich gar nicht reden: riesige Hallen gefüllt mit hohen Regalen voll mit allem.

Ansonsten habe ich zwei Football Games angeschaut, war in der Eureka Mall, habe die Altstadt in Eureka besichtigt und auf dem Summer Dance meiner Schule getanzt.

Mein Highlight bisher war definitiv der Camping Trip, den meine Austauschorganisation organisiert hat. Ich war drei Tage in den Marble Mountains zum Backpacking. Mit anderen Austauschschülern aus aller Welt, darunter Thailand und Japan, hatte ich eine unfassbar schöne Zeit am Monument Lake. Am liebsten mochte ich die Abende am Feuer, wenn wir Marshmallows geröstet und über alles Mögliche geredet haben. (Sonntagabends war es so kalt und windig wegen einem Sturm aus Alaska, dass wir ums Feuer getanzt sind, um warm zu bleiben. In der Nacht hatte ich ungefähr vier Lagen Kleidung an.)

Das Großartige am Leben in Humboldt ist, dass du in zehn Minuten am Meer bist und gleichzeitig im Inland sofort auf Berge und Wälder triffst. Das lässt viel Raum für Outdoor-Aktivitäten, von denen ich hoffentlich noch ganz viele ausprobieren kann. Temperaturmäßig ist Humboldt County komplett anders als der Rest von Kalifornien. Im Sommer ist es kühler und im Winter ist es durchschnittlich nur bis zu acht Grad, auch das Meer hat mit zwölf Grad nicht gerade Badewannen-Temperatur.

Ich habe das Gefühl, und dass bestätigen auch alle die ich hier kennengelernt habe, dass Humboldt County wie eine kleine Blase in Kalifornien ist. Die meisten wissen nicht, dass es existiert, bevor man die berühmten Redwood Bäume, die höchsten Bäume der Welt, erwähnt. Meiner Meinung nach ist es eine wunderschöne Blase. Ich konnte auch bereits viele traumhafte Sonnenuntergänge bewundern, die leider vor allem deswegen besonders schön sind, da aufgrund der Waldbrände in Kalifornien der Himmel stärker orange eingefärbt wird.

Natürlich habe ich auch ein paar komische Erfahrungen gemacht. In den ersten Tagen war ich super genervt von all den Stoppschildern. Die sind wirklich an jeder Straßenecke, was heißt, du fährst zehn Meter, stoppst, fährst zehn Meter und stoppst wieder. Generell ist das Straßensystem aus deutscher Perspektive seltsam.

Ich freue mich auf viele weitere Erfahrungen wie Homecoming, Halloween, Thanksgiving und Weihnachten in Nord Kalifornien!

Laura L., 10n


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