Meet Klezmer im AMG

Schulleben

Was eigentlich ist Klezmer? Von der Wortbedeutung her handelt es sich um eine Zusammensetzung aus dem hebräischen Wort für „Werkzeug“ oder auch „Gefäß“, so dass man am ehesten an ein Instrument denkt, und dem Begriff für „Melodie“ oder „Lied“. Heute versteht man darunter jüdische Musik, die nicht in erster Linie für den Gottesdienst, sondern für den Alltag und Feiern der Menschen gedacht ist, dabei aber gleichzeitig wieder eine spirituelle Dimension hinzugewinnt.

Helmut Eisel, der mit Sebastian Voltz innerhalb eines Klezmer-Projektes das AMG besuchte, machte jedoch auch deutlich, dass er auch sich selbst als „Gefäß“ versteht, durch das die Musik hindurchgeht und weitergereicht wird an alle, die seine Freude daran mit ihm teilen möchten. Sein zweites Ziel mit dem Projekt ist es, ein Zeichen gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zu setzen, indem er junge Menschen für die Begegnung mit anderen Kulturen interessiert. 

Natürlich lief auch hier coronabedingt alles ein wenig anders als vorgesehen, da die israelischen Musiker nicht nach Deutschland reisen konnten und die Saarbrücker Synagoge derzeit nicht so einfach besucht werden kann. Aber die Technik machte viel von dem möglich, was ursprünglich geplant war: In einem Film informierte Kantor Benjamin Chait über die Synagoge und stand anschließend im Livestream für Fragen zur Verfügung: Warum tragen Männer eine Kippa, Frauen jedoch nicht? Warum wird aus der Thora nicht gelesen, sondern gesungen? Was ist der Unterschied zwischen einem Rabbi und einem Kantor? Warum Polizei und Sicherheitsschleuse bei einem Haus des Gebetes? Wie kommt man auf die Idee, Kantor einer Synagogengemeinde zu werden? So kam ein lebendiges Gespräch zustande.

Eine zweite Videokonferenz verband das St. Ingberter AMG in der Folge mit einer Wohnung in Jerusalem, in der vier junge Musiker auf Englisch über ihren Corona-Alltag berichteten – über den Geruch nach Falafeln aus dem Erdgeschoss, vor  allem über das, was ihnen trotz aller Beschränkungen Hoffnung gibt – und die Kostproben ihres Könnens (mit Querflöte, Klavier, Klarinette und Cajon) boten.

Zuletzt wurde gemeinsam musiziert. Da der Musikunterricht im Moment starken Auflagen unterliegt (und Singen sowie das Musizieren mit eigenen Instrumenten dadurch fast komplett ausfallen), waren es Helmut Eisel an der Klarinette und Benjamin Volz am Klavier, die mit ihrer Improvisationskunst die größte Verantwortung trugen. Aber mit Hilfe von Boomwhackern konnten auch die Schülerinnen und Schüler die spannende Rhythmik des „Freilach“ („fröhlich“) rasch erlernen und zum Groove beitragen.

Am Ende des Nachmittages galt der Dank von Herrn Rabung, der das Projekt angeregt und mit großer Energie begleitet hat, den beiden ausführenden Musikern, aber auch Kerstin Klaholz, die moderierte und dolmetschte, sowie Jean M. Laffitau, der die Videokonferenzen schaltete und am liebsten unsere hervorragend vorbereitete Technik-AG für die nächsten Veranstaltungen adoptiert hätte. „Nächstes Jahr in Jerusalem“, das wäre ein großartiges Ziel für eine Fortsetzung des Programms. Wenn die Jerusalemer jedoch im nächsten Jahr ins Saarland kommen könnten, wäre auch das ein schönes Wiedersehen.


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