Vorbereitung auf die USA: Wie Jellypeanutbuttersandwiches und Drittes Reich in eine Woche passen

Schulleben

Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) gibt seit 1983 jedes Jahr Schülerinnen und Schülern sowie jungen Berufstätigen die Möglichkeit, mit einem Stipendium des Deutschen Bundestages ein Austauschjahr in den USA zu erleben.

Als Stipendiatin des PPP hat Laura im April 2022 zur Vorbereitung auf ihr Auslandsjahr an einem Seminar in Berlin teilgenommen. Hier ihr Bericht über eine eindrucksvolle Woche. [...]

Im August fliege ich mit meiner Organisation AFS (American Field Service) für 10 Monate in die USA. Da ich ein Stipendium des Bundestags bekommen habe (Parlamentarisches-Patenschafts-Programm), gab es für mich und alle anderen Stipendiat:innen ein gesondertes Vorbereitungsseminar, das uns auf die Rolle der Juniorbotschafter:innen vorbereiten soll.

Das Seminar dauerte insgesamt eine Woche, also von Sonntag bis Samstag. Die meisten der 29 Teilnehmer:innen sind mit dem Zug angereist. Betreut wurden wir von sieben ehemaligen PPP-Stipendiat:innen, die sich jetzt ehrenamtlich bei AFS engagieren, den sogenannten Teamer:innen. Zwei Bildungsreferent:innen, die nicht in der Jugendherberge gewohnt haben, brachten uns geschichtliche und politische Themen näher.

Sonntags trafen im Verlaufe des Nachmittags alle Teilnehmer:innen in der Jugendherberge Berlin Ostkreuz, der größten Jugendherberge Deutschlands, ein. Wir wurden in Zimmer mit 4-6 Personen eingeteilt. Nach dem ersten Kennenlernen wurden das Programm und die Regeln erläutert.

Am ersten Tag haben wir über (deutsche) Identität gesprochen und darüber, was das überhaupt ist. Anschließend konnte man an einer von drei Berlinführungen teilnehmen. Bei der Führung, bei der ich dabei war, haben wir Bundestag, Brandenburger Tor und das Denkmal für das Leid der Juden während des NS-Zeit besichtigt. Danach befassten wir uns mit der deutschen Geschichte ab 1945 bis zur Wiedervereinigung. Ein Zeitzeuge, der in der ehemaligen DDR gelebt hat, berichtete uns von seinen Erfahrungen im geteilten Deutschland und davon, dass er wegen eines Spieleabends vom Mauerfall am 9. November 1989 erst einmal nichts mitbekommen hatte.

Dienstags drehte sich der Tag vor allem um den Nationalsozialismus in Deutschland. Der Fokus lag auf der Zwangsarbeit, weshalb wir eine Führung im Dokumentationszentrum Berlin-Schönweide bekommen haben, einem Zwangsarbeitslager mitten in Berlin umgeben von bunten Mehrfamilienhäusern. Die Baracke 13 ist noch original erhalten, die restlichen renovierten Baracken werden für Aufklärungsarbeit und Ausstellungen genutzt. Allerdings wird eine Baracke als Kindergarten und eine andere als Gartengeschäft verwendet, als ob vollkommen vergessen wurde, dass in solchen Baracken bis zu 20 Menschen in einem Raum gelebt haben und zu Arbeit gezwungen wurden.

Am nächsten Tag ging es um interkulturelles Lernen und Kommunikation. Zum besseren Verständnis haben wir in einem interaktiven Spielsalon an sechs unterschiedlichen Tischen Karten gespielt, wobei jeder Tisch andere Regeln hatte und wir nicht miteinander reden durften. Weil wir nach einem Sieg an den nächsten Tisch wechseln sollten und niemand außer den Teamern wusste, dass es unterschiedliche Regeln gibt, waren alle sehr schnell sehr verwirrt. Es ging vor allem darum, wie wir miteinander kommunizieren, wenn wir nicht sprechen dürfen, aber andere Regeln herrschen. Nachmittags ging es dann um den allgemeinen Begriff Kultur, bevor wir während unserer Freizeit in Gruppen die Stadt fußläufig erkunden durften. Nach dem Abendessen haben wir als Vorbereitung auf den Donnerstag einen Film über Rassismus in den USA geschaut.

Der Donnerstag war der USA-Tag. Wir lernten das politische System kennen, wichtige geschichtliche Ereignisse, die das Land geprägt haben, bis hin zu aktuellen politischen Themen. Ein wichtiger Punkt war der Rassismus, den wir während einer stillen Raumdiskussion behandelt haben. Im Raum waren Artikel und Links zu Videos oder Informationsseiten ausgelegt und wir sollten unsere Meinung zu dem jeweiligen Medium auf den zugehörigen Zettel schreiben. Leider konnte man wegen der zeitlichen Dichte an Themen nicht alle Beiträge anschauen bzw. durchlesen. Die verschiedenen Abstufungen des Rechtspopulismus wurden knapp erklärt. Abends haben die Teamer einen Quizabend auf die Beine gestellt, bei dem wir in vier Gruppen aufgeteilt Fragen zu Amerika beantworten sollten. Kategorien waren Geschichte, Politik, Sport, Essen und Funfacts. Nach dem Spiel haben wir von den Teamern typisch amerikanische Süßigkeiten bekommen, sogenannte POP-Tarts, welche aus einem Keks bestehen, bestrichen mit einer Creme (Schoko, Caramel, Erdbeere, …) und Streuseln.

Am letzten richtigen Tag vor der Abreise haben die Teamer von ihren Auslandsjahren erzählt und Bilder gezeigt. Außerdem konnten wir Fragen stellen und uns wurden noch einmal die Regeln erklärt, an die wir uns während unseres Auslandjahres halten müssen. Gleichzeitig wurden wir auch auf „Kulturschocks“ und „Kulturmüdigkeit“ vorbereitet. Auf einem Plakat haben wir „Insider“ und Anekdoten sowie unsere Unterschriften festgehalten. Das Plakat wurde dann feierlich durchgeschnitten, und jeder hat einen Schnipsel mit nach Hause bekommen. Bei dem Nachbereitungsseminar nach dem Auslandsjahr wird das Plakat dann hoffentlich ohne fehlende Teile wieder zusammengesetzt.

Die Woche war unfassbar toll, auch wenn wir nicht so viel Freizeit hatten. Ich konnte super viel mitnehmen und habe unglaublich sympathische Menschen kennengelernt. Während den Mahlzeiten und auch im Seminarraum haben wir viel gelacht und geredet. Es fiel allen schwer, sich zu verbschieden, weil wir uns gegenseitig so ans Herz gewachsen sind. Ein Trost, wenn auch ein kleiner, ist dass wir uns für die Abreise aus den USA in Washington D.C. und für das Nachbereitungsseminar in Deutschland wiedersehen.

Laura Laux, 9n2


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