Ein Reisetagebuch zur Kursfahrt nach Berlin

Schulleben

Mithilfe von Paulas Reisetagebuch möchten wir, die Tutorkurse von Frau Hussung und Herrn Burkart, ein paar der vielfältigen Eindrücke und Erlebnisse, die wir im Rahmen unserer Kursfahrt nach Berlin gesammelt haben, mit euch teilen.

Viel Spaß beim Schmökern und vielen Dank an Paula für den schönen Text!!

Sonntag, 1.9.19:

Früh morgens sind wir voller Vorfreude in den Zug nach Mannheim gestiegen. In Mannheim hatten wir eine Stunde Zeit und haben dann die Reise nach Berlin fortgesetzt. Ungefähr um halb 3 Uhr sind wir in Berlin am Hauptbahnhof angekommen und mit dem Bus zu unserem Hotel, dem Meininger Hotel am Tiergarten, gefahren, wo wir an der Rezeption von einer Dame empfangen wurden, die auch bei uns auf der Schule war. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, sind wir an der Spree entlanggelaufen und haben das Schloss Bellevue gesehen, in dem unser Bundespräsident wohnt. Wir sind noch ein Stück weiter der Spree gefolgt und haben am anderen Ufer das Bundeskanzleramt gesehen. In einem Biergarten an der Spree haben wir eine Pause gemacht und sind dann zum Bundestag gelaufen, wo wir viele Bilder und auch Gruppenfotos gemacht haben. Danach waren wir beim Brandenburger Tor, das auch eine gute Kulisse für Gruppenfotos darstellte. Ein paar Meter davon entfernt stand ein Mann etwas erhöht mit einem Plakat und der Deutschlandfahne und trug nichts außer einer Elefantenunterhose. Er erklärte uns, dass er der neue deutsche Kaiser werden wolle, aber ein Kaiser, der für die ganze Welt da ist. Er nannte sich selbst Öko-Kaiser. Dann sind wir zum Gendarmenmarkt gelaufen und durften dann essen gehen. Nachdem wir nach dem Essen wieder zurück im Hotel waren, sind die meisten von uns gleich schlafen gegangen, weil der Tag doch anstrengend war, wir hatten aber auch die Möglichkeit, in der Bar des Hotels noch etwas zu trinken oder Tischfußball zu spielen.

 

Montag, 2.9.19:

Nach dem Frühstück sind wir nach Potsdam gefahren, haben uns dort von Pedales Fahrräder ausgeliehen und haben mit zwei Mitarbeitern eine geführte Fahrradtour durch Potsdam gemacht. Zum Beispiel wurde das Haus gezeigt, in dem der amerikanische Präsident, Harry S. Truman, als die Alliierten in Potsdam verhandelten, den Befehl gab, die erste Atombombe über Hiroshima und Nagasaki abzuwerfen. Auch hat die Mitarbeiterin uns erzählt, dass viele Menschen, nach dem Mauerfall aus Potsdam nach Westberlin zogen und so viele Wohnungen in Potsdam nicht mehr bewohnt, aber noch ganz eingerichtet waren. Sie ist deshalb mit 14 Jahren bei ihren Eltern ausgezogen und in einer dieser Wohnungen eingezogen. Beim Schloss Cecilienhof hat sie uns erklärt, dass der Nachfolger des letzten deutschen Kaisers, Wilhelm von Preußen, nach dem Ende der Monarchie quasi arbeitslos war und sehr mit den Nationalsozialisten sympathisiert hat. Seine Frau, Cecilie, war anders als er eingestellt und eigentlich gegen die Nationalsozialisten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges musste sie fliehen, weil die Anhänger der Nationalsozialisten mit einer Strafe rechnen mussten und ihr Mann ja so ein extremer Anhänger gewesen war. Wir waren auch beim ehemaligen sowjetischen KGB-Gefängnis, wo Erwachsene aber auch Kinder auf Russisch verurteilt wurden. Da sie Deutsche waren und kein Russisch verstanden, wussten sie oftmals gar nicht, warum sie verurteilt und dann hingerichtet wurden. Wir sind auch an vielen russischen Häusern vorbeigefahren, der Russischen Kolonie Alexandrowka, die für russische Soldaten gebaut worden und ein Geschenk von Russland war, damit sie sich hier wohlfühlen konnten. Auch haben wir die vielen holländischen Häuser gesehen, die für holländische Handwerkerfamilien gebaut worden waren. Zum Abschluss waren wir bei Sanssouci, wo die Mitarbeiterin erzählt hat, dass Friedrich der Große anders als die anderen Jungen gewesen war, weil er Querflöte spielte und dichtete. Er litt unter der strengen Hand seines Vaters und unternahm mit seinem besten Freund einen Fluchtversuch, der allerdings missglückte. Sie kamen beide ins Gefängnis, der Vater ließ den Freund zum Tode verurteilen und zwang seinen Sohn, bei der Enthauptung zuzuschauen. Bei der eigentlichen Hinrichtung fiel Friedrich in Ohnmacht, doch danach sah er den toten Körper seines Freundes, der den ganzen Tag zur Abschreckung im Hof liegen blieb. Friedrich musste weiter im Gefängnis bleiben und durfte mit niemandem reden. Er kam nur frei, weil er die Frau, die sein Vater für ihn ausgesucht hatte, heiratete. Er hasste diese Frau aber und war nur solange nett zu ihr, wie sein Vater lebte. Als dieser gestorben war, warf er sie aus dem Schloss, obwohl sie ihn liebte. Sein Vater hatte ihn zu einem kaltherzigen Menschen gemacht. Wahrscheinlich war Friedrich schwul und der Freund, der hingerichtet worden war, war wahrscheinlich nicht nur sein Freund, sondern sein Lebenspartner gewesen. Friedrich hatte keine Nachkommen und so wurde der Sohn seines Bruders sein Nachfolger. Nach der Radtour waren wir bei der East Side Gallery, wo ganz viele tiefgründige und besondere Bilder auf die Mauer gemalt wurden, die etwas mit der DDR, Krieg, Frieden und dem Gedenken an die damalige Zeit zu tun haben. Den Tagesabschluss bildeten ein paar zwanglose Stunden zum selbständigen Ausgehen im Szeneviertel Friedrichshain.

 

Dienstag, 3.9.19:

Vormittags waren wir bei der Gedenkstätte der Berliner Mauer und haben dort eine Führung gemacht. Teilweise ist die Mauer dort noch erhalten, teilweise wird sie durch lange Stäbe angedeutet. Ein Teil der Mauer dort war ursprünglich eine Friedhofsmauer. Dort steht auch eine Art Wand mit den Jahreszahlen der Mauer und den Namen und Fotos der Menschen, die versucht haben zu fliehen und dabei erschossen wurden oder anders ums Leben kamen. Insgesamt sind es 140, wobei die Dunkelziffer vermutlich höher ist. Zum Beispiel starb ein kleiner Junge, der mit seinem Ball am Ufer eines Weihers spielte. Der Ball fiel ins Wasser, er wollte ihn wieder herausholen und fiel dabei selbst ins Wasser. Ein paar Minuten später ertrank er, da ihm niemand helfen wollte, weil durch den Weiher die Grenze verlief und die Menschen Angst davor hatten, dass es für die patrouillierenden Soldaten aussehen würde, als würden sie versuchen zu fliehen. Auch ein kleines Baby starb. Die Mutter hatte sich mit ihm in einem LKW versteckt und so wollten sie auf die andere Seite gelangen. Es gab eine Kontrolle, die ziemlich lange dauerte, und der Kleine fing an zu weinen und zu schreien. Die Mutter hielt ihm den Mund zu, weil sie sonst entdeckt worden wären. Die Kontrolle war vorbei, sie waren auf der anderen Seite und nicht entdeckt worden. Die Flucht war geglückt. Doch da merkte die Mutter, dass ihr kleines Baby nicht mehr atmete. Er war erkältet gewesen und sie waren in einer Kiste versteckt. Er hatte keine Luft mehr bekommen und war gestorben. Die Eltern sind heute wahrscheinlich immer noch traumatisiert. Der letzte, der versucht hatte zu fliehen, war ein Mann, der es im März 1989 mit dem Heißluftballon versuchte und dabei ums Leben kam. Hätte er noch ein paar Monate gewartet, hätte er nicht sterben müssen. Diese schlimmen Schicksale werden dank der Gedenkstätte niemals in Vergessenheit geraten. Uns wurde auch erklärt, dass teilweise gar keine Mauer gebaut wurde, wenn auch Häuser als Mauer dienen konnten. Die Menschen, die dort wohnten, wurden dann umgesiedelt und alle Fenster und Türen der Häuser wurden so verschlossen, dass niemand mehr in das Haus hinein oder hinaus kam. Da der Mauerbau schon lange dauerte, nutzten die Menschen noch die Gelegenheit, durch die Häuser zu fliehen. Die Feuerwehr von Westberlin unterstützte die Menschen mit Sprungtüchern, sodass sogar eine 70-Jährige aus einem Fenster in die Freiheit sprang. Auch eine Kirche, von der man heute nur noch den Grundriss sehen kann, diente als Mauer und auch durch sie flohen Menschen. Dort steht heute eine Gedenkkapelle, die Kapelle der Versöhnung, die an die 1985 gesprengte Versöhnungskirche erinnert. Wir waren auch noch auf einem Aussichtsturm bei der Gedenkstätte, von dem aus man alles gut überblicken konnte. Man sah auch einen Teil der Mauer, wo noch beide Mauern und der Grenzstreifen dazwischen mit einem Wachturm und Laternen erhalten waren und wo früher auch Soldaten patrouillierten. Nach der Führung waren wir beim Fernsehturm und haben Mittagspause gemacht. Nachmittags waren wir beim Berliner Dom, sind an der Alten Nationalgalerie und an der Museumsinsel vorbeigelaufen. Danach waren wir noch in den Hackeschen Höfen, die aus acht Höfen bestehen, die direkt nebeneinander mit vielen kleinen Geschäften gebaut sind. Und ein bisschen weiter sind wir in den Hof vom Haus Schwarzenberg gegangen, wo die Wände ganz mit Graffitis, Plakaten und schönen Bildern bemalt sind und überall Pflanzen von der einen zur anderen Seite wachsen. Dann waren wir auf dem Kurfürstendamm und haben die Gedächtniskirche gesehen. Wir hatten Zeit zum Shoppen, waren in vielen Geschäften und haben das Kaufhaus des Westens erkundet.

 

Mittwoch, 4.9.19:

Vormittags sind wir zum Bundesrat gegangen und auf dem Weg dorthin sind wir am Holocaust-Mahnmal vorbeigekommen. Im Bundesrat hatten wir dann eine Führung, in der wir erfahren haben, dass das Gebäude mal ein preußisches Herrenhaus war und der Teil, in dem heute der Plenarsaal ist, im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört wurde. Uns wurden ein paar Staatsgeschenke gezeigt und wir haben erfahren, dass jedem Bürger davon quasi ein sehr kleiner Teil gehört. Wir waren auch im Plenarsaal und haben gesehen, wer wo sitzt und wie viele Stimmen hat und noch vieles mehr. Danach haben wir so eine Bundesratssitzung nachgestellt. Drei waren Ratspräsident und Präsidium, drei die Bundesregierung und der Rest hat sich auf die einzelnen Bundesländer verteilt. Wir haben darüber debattiert, ob man ab 70 Jahren eine Fahreignungsprüfung machen muss. Die Vertreter jedes Bundeslandes mussten sich überlegen, ob sie den Gesetzentwurf annehmen oder ablehnen oder ob sie ihn mit Änderungen annehmen. Dann haben ein paar ihre Entscheidung am Rednerpult vorgetragen und am Schluss sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir den Gesetzentwurf mit gewissen Änderungen wie zum Beispiel, dass die Eignungsprüfung kostenlos sein soll und die Menschen bei Nichtbestehen mit kostengünstigen Fahrkarten für die öffentlichen Verkehrsmittel unterstützt werden, annehmen. Nach dem Besuch im Bundesrat waren wir ein bisschen in der Mall of Berlin und dann kurz beim Checkpoint Charlie. Nachmittags durften wir uns aussuchen, ob wir auf die Siegessäule oder in einen Biergarten im Tiergarten gehen wollen. Abends sind wir alle zusammen am Prenslauer Berg in eine Pizzeria essen gegangen. Danach sind wir wieder zurückgefahren und waren in der Nähe unseres Hotels noch in einer Bar etwas trinken. Dort haben Herr Burkart und Hendrik die Kibaweizenschorle© erfunden, die gut geschmeckt hat und, wie ich finde, unbedingt an unserem Abiball verkauft werden sollte :-). Danach haben sich ein paar von uns noch im Hotel an die Bar gesetzt und später haben wir uns noch gegenseitig auf den Zimmern besucht. Das war ein wirklich schöner Abschluss für unsere Kursfahrt!

 

Donnerstag, 5.9.19:

Wir haben gefrühstückt, gepackt und sind dann zum Bahnhof gefahren. In Mannheim, wo wir umsteigen mussten, hätten wir eigentlich eine Stunde auf den nächsten Zug warten müssen, konnten dann aber doch einen früheren nehmen, sodass wir eine Stunde früher zu Hause waren.

Die Kursfahrt war wirklich richtig schön und interessant und wir haben viel von Berlin gesehen. Ich habe so viele schöne Erinnerungen daran und habe Berlin in mein Herz geschlossen und mir vorgenommen irgendwann nochmal dahin zu fahren. Im Namen aller möchte ich mich bei unseren Lehrern Herr Burkart, Frau Hussung und Herr Lang bedanken, die so viel Arbeit auf sich genommen haben, um uns eine schöne und unvergessliche Abschlussfahrt ermöglichen zu können.

 

Von Paula Weirich      


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