Aufenthalt St. Herblain
Obwohl es jetzt schon fast ein Jahr her ist, erinnere ich mich noch genau, wie ich voller Vorfreude ins Auto meiner Eltern gestiegen und mit Franziska Kulicke nach Frankreich zu unseren Gastfamilien gefahren bin. Okay, es war sicherlich nicht leicht, mich von allen meinen Freunden zu trennen und ich weiß noch ganz genau, wie aufgeregt ich angesichts des zehn Wochen langen Aufenthaltes (Sauzay-Programm) in Saint – Herblain war. Doch was soll’s: Der Koffer war gepackt, meine Gastfamilie informiert und die Reise geplant, deshalb gab es kein Zurück. In Frankreich angekommen lernte ich meine „neue“ Familie kennen und ich war direkt begeistert, obwohl ich zugeben muss, dass ich mich am Anfang immer wieder gefragt habe, was ich in den letzten vier Jahren im Französischunterricht gemacht hatte. Doch schon im Laufe des Abends merkte ich, wie sich mein Sprachverständnis verbesserte und auch die Worte fielen mir immer schneller ein. Als meine Eltern dann am nächsten Morgen nach Hause fuhren, (sie hatten die Nacht auch bei meiner Gastfamilie geschlafen), wusste ich bereits, dass ich gut daran getan hatte, am Austausch teilzunehmen.
Auch mit meinem Partner, Tanguy, verstand ich mich auf Anhieb gut. Als am nächsten Tag die Schule losging, meldete sich wieder die Aufregung zurück. Doch nachdem der Direktor des Lycées uns begrüßt hatte, wurde die Klasseneinteilung verlesen. Da war ich das erste Mal enttäuscht: Franziska und ich kamen nicht in dieselbe Klasse und fuhren deshalb auch nicht zusammen nach Pornic, wo alle Klassen der „Seconde“ hinfahren, um eine Art Kennenlernwoche zu machen. Im Nachhinein kann ich sagen, dass es das Beste war, was uns passieren konnte, da wir so gezwungen waren, uns zu integrieren und vor allem Französisch zu sprechen, weswegen wir ja eigentlich in Frankreich waren. In Pornic lernte ich meine Klasse erstmals richtig kennen. Wir verbrachten dort die Zeit mit Kanu fahren, Orientierungsläufen sowie anderen Geländespielen und feierten zum Schluss noch eine Abschiedsparty. Dann ging der Schulalltag los.
Die ersten zwei Schulwochen waren die anstrengendsten meines Austausches. Zum einen endete der Schultag normalerweise erst um 17:50 Uhr, zum andern war das ständige Konzentrieren und das Bemühen alles zu verstehen, erst richtig anstrengend, so dass ich am Anfang um einiges früher ins Bett ging als in Deutschland, obwohl die Schule in Frankreich später anfängt. Allerdings ließ meine Müdigkeit in gleicher Weise nach, wie sich mein Sprachverständnis verbesserte. Dadurch, dass ich sowohl auf dem Collège (Französisch und Spanisch mit den 4ème) als auch auf dem Lycée (die restlichen Fächer in der 2nd3 mit Tanguy) Unterricht hatte, lernte ich viele Schüler von Saint Dominique kennen.
Rückblickend kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, diesen Austausch über zwei Monate gemacht zu haben: Ich habe so viele tolle und nette Leute kennengelernt, habe vieles über die Kultur und Lebensweise der Franzosen gelernt und, noch ganz nebenbei, mein Französisch verbessert. Auch mit meiner Gastfamilie und vor allem mit Tanguy habe ich mich so gut verstanden, dass ich keinerlei Einwände hatte, als wir wegen Terminproblemen mit dem Abholen noch eine Woche länger bleiben mussten. Auch habe ich seit meiner Heimreise im November meine Gastfamilie schon zweimal besucht und werde die Gruppe, die den einwöchigen Austausch mit Saint Herblain mitmacht, begleiten, um meine französischen Freunde zu wiederzusehen.
Christian Baltes





