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Max Meisenheimer

Mein Jahr in den USA

Das schönste Weihnachtsgeschenk, das schönste Jahr und die besten Erlebnisse meines Lebens, alles in einem. Mein Wunsch, ein Austauschjahr in den USA zu verbringen, war nur durch ein Stipendium möglich. Ich bewarb mich für ein Stipendium des Deutschen Bundestages. Nach mehreren Auswahlverfahren durch die Austauschorganisation AFS erhielt ich am 24.12.2007 die Zusage. Es folgten mehrere Vorbereitungsseminare und Anfang Juni kam die Nachricht, dass ich mein Austauschjahr bei einer Familie im Bundesstaat Maine, dem nordöstlichsten Staat der USA, verbringen dürfe.

Mitte August ging es los. Nach dem Flug nach New York City folgte eine anstrengende und lange Busfahrt nach Maine. Dort ankommen konnte ich erst nach einem weiteren Seminar, am dritten Tag meiner Reise meine neue Familie sehen. Meine Familie, die mindestens so aufgeregt war wie ich, nahm mich liebevoll auf und ich fühlte mich direkt wie zu Hause. Die ersten Wochen schloss ich viele neue Bekanntschaften und lernte viel über den amerikanischen Alltag kennen. Auf den Straßen gibt es keine Bürgersteige, die Müllabfuhr muss selbst erledigt werden. Die Menschen ernähren sich anders als bei uns, Lebensmittel wurden nur in doppelt so großen Verpackungen verkauft. Was mir besonders positiv auffiel und am Anfang auch gut tat, war die Offenheit und die Neugierde der Amerikaner für Fremdes. Die den Amerikanern oft nachgesagte Oberflächlichkeit habe ich so nicht kennengelernt. Die Schulen unterscheiden sich völlig von deutschen Schulen. Sie sind nicht nur ein Platz zum Lernen, sondern auch sozialer Mittelpunkt der Jugendlichen.

Es gibt ein wesentlich vielfältigeres Fächerangebot, zum Beispiel wie  in einer CSI Klasse: ausländisches Kochen oder Fotografie. Außerdem ist das Angebot an Aktivitäten außerhalb des Unterrichts sehr wichtig in High Schools. So gibt es mehrere Klubs, wie einen UN-Klub oder eine Theater Gruppe. Das wahrscheinlich wichtigste auf amerikanischen Schulen ist der Sport. Während der drei Jahreszeiten im Schuljahr (Herbst, Winter, Frühling, im Sommer sind Ferien) werden verschiedene Sportarten angeboten. Ich entschied mich für „Cross Country“, eine Art Geländelauf, und für Leichtatlethik. Die größten Ereignisse im Schuljahr sind die beiden Schulbälle, „Semi“ und „Prom“ sowie „Homecoming“, eine Woche im Herbst, in der die Schule gefeiert wird. Wenige Wochen nach meiner Ankunft durfte ich das grandiose Schauspiel des Indian Summers erleben, herbstlich bunte Wälder, soweit das Auge reicht. Im November fanden die Präsidentschaftswahlen statt, die man gar nicht mit deutschen Wahlen vergleichen kann. Die Kandidaten werden gefeiert wie Popstars und sie dominieren für mindestens zwei Monate die Zeitungen des Landes.

Fast jeder Hausbesitzer hat im Vorgarten seines Hauses ein Plakat stehen, in der Schule finden Scheinwahlen statt. Am Wahlabend feiert man Wahlpartys mit Nachbarn und Freunden. Dabei sitzt man zusammen am Fernseher und fiebert mit. Der Winter in Maine war außergewöhnlich schön und kalt. Die Temperaturen waren oft unter minus 20 Grad und es wurde nie wärmer als minus 10 Grad. Der Schnee in unserem Garten lag über einen Meter hoch.

Meine Familie unternahm viele Reisen mit mir. Wir verbrachten ein paar Tage in Kanada oder besuchten meine Geschwister auf ihrer Universität Yale. Die für mich beeindruckendste Reise war der Aufenthalt in New York City. Mit meiner Schwester besuchte ich die Abschlussklasse der lokalen High School „Hampden Academy“. Am Ende des Schuljahres fand die große Abschlusszeremonie für alle Seniors (Schüler in ihrem letzten Jahr High School) statt. Bei dieser Veranstaltung erhielten die Schüler ihre Abschlusszertifikate und dabei trugen alle einen Talar und den für die USA typischen, viereckigen Hut. In den letzten Wochen genoss ich einfach die Zeit mit meinen Freunden, wir spielten viel Frisbee, gingen auf Partys und verbrachten einfach sehr viel Zeit zusammen. Ende Juni war es Zeit zum Abschied nehmen. Es waren sehr gemischte Gefühle für mich, da es mir schwer fiel,  meine neue Familie und meine Freunde zurück zu lassen, ich mich aber auch sehr freute wieder nach Hause zu kommen. Vor der Heimreise trafen sich alle PPP Stipendiaten zu einer viertägigen Abschlussveranstaltung in Washington DC. Es ist schwierig ein solch erlebnisreiches Jahr in einen Bericht zu fassen und an alles zu denken, was man mitteilen möchte. Ich könnte noch viele Seiten schreiben über das was ich in diesem Jahr erleben durfte.

Es gab nicht nur schöne Erlebnisse. Ich hatte manchmal Heimweh. Manche amerikanischen Einstellungen und Gewohnheiten, wie z.B. die strenge Erziehung und die starke Kontrolle, waren schwer zu akzeptieren. Ohne meine Freundschaften mit anderen Austauschschülern von AFS hätte ich dieses Jahr nie überstanden, sie haben mir geholfen und ich konnte mit ihnen über Probleme reden, die kein anderer verstehen kann, weil er nicht dieses Erlebnis hatte. Diese Leute sind eigentlich meine besten Freunde geworden und ich fühle mich mit ihnen auf eine geheime Art und Weise tief verbunden. Natürlich habe ich gelernt, mittlerweile fließend Englisch, wie eine zweite Muttersprache, zu reden.

Aber dieser Erfolg war eigentlich nebensächlich in diesem Jahr. Was viel mehr zählt, sind die Erfahrung, die ich gemacht habe, ob positive oder negative. Sie verändern dich als Mensch, in deinem Gespür für andere Kulturen, wie man mit ihnen umgeht und was man aus diesen Erfahrungen machen will. Vielleicht ist es aufgefallen, dass ich immer probiert habe, nicht über meine Gastfamilie zu schreiben, sondern über meine Familie. Es war nicht nur meine Gastfamilie, diese Familie ist meine zweite, amerikanische Familie und Maine ist meine zweite Heimat geworden. Ich habe unbeschreiblich gute Freundschaften in den USA und auf der ganzen Welt geschlossen.  Wie Churchill schon sagte: "Never, never, never give in, in nothing small or big...", man soll nie aufgeben und einfach weitermachen, auch wenn es für den Moment sinnlos zu sein scheint, man wird daraus lernen und es  kann dir niemand diese Erfahrung  nehmen.

Max Meisenheimer